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Mi. 11. Mai. 2011, 17:53

Menschen mit Behinderung schildern ihre Sorgen.

Pressekonferenz der Betroffenen am 11.05.2011 in Graz

Die Novelle des Behindertengesetzes (BHG) wurde im Landtag bereits beschlossen, die neue Leistungs- und Entgeltverordnung (LEVO) steht kurz davor. Die Interessensgemeinschaft der Selbstvertreter des Dachverbandes Die Steirische Behindertenhilfe hat deshalb Betroffenen und deren Angehörigen in der Pressekonferenz am 11. Mai in Graz den Raum gegeben, um ihre Sorgen zu schildern.

Präsident des Dachverbades Peter Ripper eröffnet: „Aus meiner Sicht gibt es einen Paradigmenwechsel der Behindertenpolitik mit dem Einengen noch bestehender Wertevorstellungen.“ Durch Unglück und Krankheiten könne ein bislang gesunder Mensch rasch zum Menschen mit Behinderung werden. „Spätestens dann wird erkennbar, dass die uneingeschränkte Unterstützung durch die Gesellschaft als Kollektiv alleine in der Lage ist, ausreichend zu helfen. Nachdenken lohnt sich“, so Ripper

Werner Gobiet, Vater einer Tochter mit Behinderung und stellvertretender Präsident des Dachverbandes: „Wenn man die Kürzungen von 36 Millionen Euro (22 Millionen Land Steiermark und 14 Millionen Sozialhilfeverbände) in freizusetzende Betreuer umrechnet (brutto rund 36 .000,-- Euro/pro Jahr), bedeutet dies, dass es rund eine Million Stunden pro Jahr weniger für die Betreuung von Menschen mit Behinderung in der Steiermark geben wird. Dies bedeutet schwerwiegende existenzbedrohende Folgen für viele Betroffene.“

Franz Moser, Sprecher der Selbstvertreter der Lebenshilfe, sieht die Konsequenzen der Einsparungen: „Unterstützung ist scheinbar nur bis zu einer bestimmten Stundenzahl tragbar. Wer mehr Unterstützung braucht, dem bleibt nur mehr das Heim.“

„Schwierige Klienten können nicht mehr so gut betreut werden, gefährliche Situationen könnten entstehen, wenn zu wenig Betreuer zur Stelle sind“, so Hanna Kamrat vom Selbstvertreterbeirat der Lebenshilfe Ausseerland. Es bestünde auch die Angst, dass wichtige Bezugspersonen verloren gehen, zu denen jahrelang Vertrauen aufgebaut wurde.

Christian Grübl, der in einer integrativen Wohngemeinschaft lebt, steht ratlos da, wenn seine Assistenz gekürzt wird: „Was soll dann ich tun, wenn ich zum Arzt muss, aber keine Stunden für die Begleitung mehr da sind?“

Familien belastet es, das mobile Leistungen wie Familienentlastung mit Betreuung außer Haus gegengerechnet wird. Kerstin Jandl, Mutter von drei Kindern, zwei davon mit Behinderung: „Die Nachmittage werden bestimmt von Therapien. Ich brauche die Familienentlastung, damit ich mich um meine Kinder kümmern kann, die nicht in Therapie sind.“

Die neue LEVO-Leistung „Persönliches Budget“ sorgt für Verwirrung. Josef Mikl von der steirischen Gesellschaft für Muskelkranke erklärt die Diskrepanz zwischen BHG und LEVO: „Im BHG steht im Paragraph 22a, dass das persönliche Budget dazu dient, dass sich Menschen mit Behinderung selbst die Hilfe einkaufen können, die sie brauchen. Laut LEVO darf das persönliche Budget aber nicht zur Finanzierung von Pflegeleistungen dienen.“ Außerdem wird eine unzumutbare Vorfinanzierung der Betreuungskosten bis zu 6 bis 10 Wochen verlangt, wobei nicht sicher ist ob dann alle Belege, die gesammelt werden müssen, anerkannt werden. Das Geld für die Vorfinanzierung haben aber die meisten Menschen mit Behinderung nicht.

„Wir sind keine Heroes, wir sind auch keine bemitleidenswerten ‚Armutschgerl“, sagt Dr. Sebastian Ruppe vom Zentrum für soziale Kompetenzen der Karl-Franzens-Universität Graz, „wir sind ganz einfach Menschen. Wir haben die gleichen Bedürfnisse wie jeder und jede andere auch. Aber wir brauchen für ein ‚normales‘ Leben Unterstützung.“