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Mo. 8. Nov. 2010, 09:45

12 Millionen Euro werden die permanente Menschenrechts-verletzung in Schwanberg nicht beseitigen.

Große Pflegeheime wie das in Schwanberg sind keine Lebenswelt für Menschen. Der Dachverband Die Steirische Behindertenhilfe setzt sich für die Umsetzung der UN Menschenrechtskonvention ein: Ausbau gemeindenaher Pflege und Betreuung und Schließung des Pflegeheims Schwanberg.

Die Missstände im Landespflegeheim Schwanberg haben in den letzten Wochen zu Recht für Schlagzeilen gesorgt. Die Probleme dahinter beschränken sich aber nicht auf das südsteirische Schloss, sondern sind Probleme, wie sie alle Pflegeeinrichtungen teilen, die dem veralteten Modell der totalen Institution folgen.

Bereits im Herbst 2009 entstand der Expertenbericht „Report of the Ad Hoc Expert Group on the Transition from Institutional to Community-based Care“ auf Initiative von EU-Kommissar Vladimír Špidla. Die Kernaussage des Berichts ist: Institutionen haben gar nicht die Möglichkeit, individuelle, bedürfnisorientierte Leistungen anzubieten. Die Teilnahme am normalen öffentlichen Leben ist in Pflegeheimen wie Schwanberg nicht gewährleistet. Die „Behandlung“ in einem Pflegeheim erschwert die Einbindung in die Gesellschaft. Lebensqualität kann in solchen Heimen nicht erzielt werden.

Allein ein vom Pflegeheim vorgegebener Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten, Bewegung und Therapie geht in keiner Weise auf die Bedürfnisse der Menschen ein und stellt einen massiven Einschnitt in das Recht jedes Menschen auf Selbstbestimmung dar, wie es in der von Österreich ratifizierten UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung festgelegt ist.

Ist es schon für Menschen ohne Beeinträchtigung belastend, ohne Rückzugsmöglichkeit oder Privatsphäre mit anderen Menschen zusammenzuleben, so ist das Zusammenleben mit 150 anderen Menschen mit schwierigem Verhalten ein Alptraum. In Heimen wie Schwanberg leben umfassend betreuungsbedürftige Menschen über Jahre hinweg auf engstem Raum zusammen. In Verbindung mit personeller Unterbesetzung stellt sich deswegen nicht die Frage, ob die Situation eskaliert, sondern wann - was im konkreten Fall in Schwanberg alle paar Jahre geschieht.

Laut dem EU Expertenbericht ist der beste Weg, Missstände wie in Schwanberg zu verhindern, Pflegeheime durch moderne gemeindenahe Betreuung zu ersetzen. Nur durch die Betreuung im gewohnten Umfeld ist auf Dauer eine adäquate Lebensqualität für Menschen mit Pflegebedarf zu gewährleisten.


Gemeindenahe Dienstleistungen ausbauen, statt Schwanberg zu „retten“.

Der Vorschlag der KAGES, das Pflegeheim zu renovieren, kann das Problem also nicht lösen. Der Dachverband Die Steirische Behindertenhilfe fordert daher die Steiermärkische Landesregierung auf, im Interesse der Personen, die dort jetzt leben müssen, gemeindenahe Dienstleistungen so auszubauen, dass das Pflegeheim Schwanberg in absehbarer Zeit geschlossen werden kann und die Schließung vorzubereiten. 12 Millionen Euro - so hoch sollen laut KAGES die Umbaukosten für das Pflegeheim Schwanberg sein - müssen für menschenrechtskonforme Angebote genutzt werden.

Viele Europäische Staaten haben das bereits umgesetzt. Das Knowhow dazu können die Dachverbände bereitstellen.

Angehängt ist der EU-Expertenreport.

Graz am 8. November 2010